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"Es wird sich noch als geschichtlicher Irrtum erweisen, das dem demokratischen Sozialismus zugrunde liegende Ideal, die Zusammenfügung von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität, als überholt abtun zu wollen. Manche werden sich noch wundern, als wie abwegig sich ihre Grabgesänge erweisen." - Willy Brandt



Bis 1918 – Verbot, Verfolgung und erst Erfolge
Die Geschichte der SPD und der Arbeiterbewegung in Köpenick beginnt, als die Arbeiterbewegung in Deutschland noch in ihren Kinderschuhen steckt: Als sich im Zuge der (kurzfristigen) Freiheiten der Revolution von 1848 in ganz Deutschland Arbeitervereine bilden, gründete sich auch in Köpenick ein Arbeiterverband.
Bevor es aber tatsächlich zu einer organisierten Massenbewegung, wie sie die SPD später werden sollte, kommen konnte, wurde die Revolution zerschlagen und die Arbeitervereine aufgelöst. Außerdem war die Proletarisierung der Arbeiter noch lange nicht so weit fortgeschritten, wie es einige Jahre später der Fall war, da die Industrialisierung in Deutschland nur langsam am Einsetzen war.
Erst in den 1870ern begann die Industrialisierung Köpenick zu verändern, das damals noch nicht zu Berlin gehörte. Aufgrund seiner günstigen Lage entwickelte es sich sehr schnell zu einer Industrie- und Arbeiterstadt und 1871 gründete sich bereits ein Arbeiterbildungsverein für Köpenick und Grünau, welcher allerdings noch hauptsächlich aus Handwerkern und Kleingewerbetreibenden bestand.
1878 wurde das Sozialistengesetz, offiziell das „Gesetz wider die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“, erlassen, womit nicht nur die SPD, welche sich damals noch SAP – Sozialistische Arbeiterpartei - nannte, verboten wurde, sondern auch die Versammlungs- und Redefreiheit sowie das Vereinsrecht für Arbeiterinnen und Arbeiter weitestgehend aufgehoben wurden. Nur zu Reichstagswahlen durften sich sozialdemokratische Wahlvereine bilden, die allerdings auch mit Verhaftungen und Verfolgung zu rechnen hatten.
In diese Zeit fällt auch der Beginn der SPD in Köpenick, wo sich einer dieser Wahlvereine bildete, der es trotz Repression nicht unterließ, für die Sozialdemokratie zu werben.
Als 1890 das Sozialistengesetz nicht verlängert wurde und die Sozialdemokratie in die Legalität zurückkehren konnte, wurde sie in den folgenden Reichstagswahlen direkt die stärkste Partei und benannte sich auf dem folgenden Parteitag in Halle in SPD – Sozialdemokratische Partei Deutschlands – um.
Der erste Mai, der in diesem Jahr, noch vor dem Ende des Sozialistengesetzes, zum ersten Mal als Kampftag der internationalen Arbeiterbewegung begangen wurde, war in Berlin und Umland ein Erfolg: Über 20000 Arbeiter ließen ihre Arbeit ruhen und trafen sich zu „Massenspaziergängen“, da Versammlungen von Arbeitern noch verboten waren.
Es folgte, über das Ende des Verbots hinaus, eine Welle von Verboten gegen einzelne sozialdemokratische Publikationen und Polizeiterror.
Für das Jahr 1891 lassen sich dann erstmals Aktivitäten der SPD in Grünau und Schmöckwitz nachweisen, es wurden Versammlungen und Vortragsabende abgehalten, dokumentierte Treffpunkte sind „Zur Palme“ und „Schmidt’s Grünauer Volksgarten“.
Bei der Wahl 1893 gewann die SPD zum ersten Mal die beiden Wahlkreise zu denen Köpenick gehörte, Abgeordnete wurden Arthur Stadthagen und Fritz Zubeil.
Der Polizeiterror gegen die SPD setzte sich durch die ganzen 1890er Jahre fort, ihr wurde unter anderem vom Berliner Polizeipräsidenten die „Verletzung (der Freiheiten) des Vereinsgesetzes“ vorgeworfen und unter diesem Vorwand einzelnen Gliederungen, manchmal auch dem Parteivorstand, das Abhalten einzelner Sitzungen verboten.
Gegen Ende des letzten Jahrzehnts des 19. Jahrhunderts begann in Köpenick auch der Arbeitskampf härtere und regelmäßigere Formen anzunehmen, mit regelmäßigen Streiks der Arbeiterinnen und Arbeiter und Aussperrungen durch die Fabrikanten.
Am 31. März 1904 ist in diesem Zusammenhang der erste (und einzige) große Streik in Grünau in der chemischen Fabrik „Landshoff und Meyer“ zu nennen, der mit Erfolg für die Arbeiter endete.
1906 gewann die SPD nach den Kommunalwahlen bereits ein Drittel der Mandate (damals Gemeindevertreter), im selben Jahr zählte die Köpenicker SPD bereits 977 Mitglieder (zeitgleich gab es in Grünau schon 154 Abonnenten des „Vorwärts“).
Schließlich, im Jahre 1908, wurde für Grünau eine eigene SPD-Gliederung gegründet, der anfänglich 73 Mitglieder angehörten (in der Köpenicker Gliederung, die zu der Zeit noch für den größten Teil der Stadt Köpenick zuständig war, waren es zur selben Zeit 1256 Genossinnen und Genossen).
Zwei Jahre später wurden die Versammlungsverbote für Arbeiter gelockert und es kam zu mehreren Großdemonstrationen von Arbeiterinnen und Arbeitern in und um Berlin, eine davon im Treptower Park, mit 250000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
In diesem Jahr zählte die Grünauer SPD bereits 88 Mitglieder.
Die SPD setzte ihre Arbeit in Köpenick in den nächsten Jahren mit Versammlungen, Vorträgen, Demonstrationszügen und Diskussionsabenden fort und 1916 wurde mit Franz Walther ein Bohnsdorfer (Bohnsdorf gehörte damals noch zu Köpenick) in den Zentralvorstand der Köpenicker SPD gewählt.


1918-1933 – Revolution, Demokratie und jähes Ende Anfang November 1918 begann mit der Meuterei der Kieler Matrosen eine deutschlandweite Revolution, man forderte ein Ende des Krieges und der Monarchie, Demokratie und eine Republik, Freiheit und Gerechtigkeit. Überall übernahmen revolutionäre Arbeiter- und Soldatenräte die Geschäfte der jeweiligen regionalen kaiserlichen Regierungen.
In Köpenick trafen sich am 8.11 zum ersten Mal Funktionäre der SPD, um die Durchführung der Revolution vor Ort zu planen, einen Tag später traten auf einen Aufruf der SPD die Arbeiter der Stadt in einen Generalstreik. Am selben Tag rief Phillip Scheidemann vom Balkon des Reichstags die Republik aus.
Einen weiteren Tag später übernahm in Köpenick ein Arbeiterrat die Regierungsgeschäfte.
Fritz Rückert, der Vorsitzende des Arbeiter- und Soldatenrates in Bohnsdorf berichtete:
Die Polizei des Ortes – damals Gendarmerie – hatten wir entwaffnet.
Unser Arbeiter- und Soldatenrat machte es sich zur Aufgabe, die Versorgung der Bevölkerung zu sichern…

Man verbot es den Großbauern, ihr Vieh zu verkaufen und enteignete sie teilweise, da man (mit gutem Grund) befürchtete, diese würden ihre Erträge weit weg verkaufen, oder gar verbrennen, um die Arbeiter verhungern zu lassen (tatsächlich drohten die konservativen und reaktionären Kräfte, unter anderem bestehend aus der Zentrumspartei, der SPD-Revolutionsregierung für ganz Deutschland genau damit).
Als sich 1919 die Weimarer Republik konstituiert hatte, wurde Otto Wels aus Friedrichshagen Parteivorsitzender der SPD.
Bei den folgenden, ersten freien Wahlen zur Köpenicker Stadtverordnetenversammlung holten die SPD und die kürzlich abgespaltene USPD 29 von 43 Mandaten.
Am 13. März 1920 wurde die junge Republik durch den reaktionären Kapp-Putsch erschüttert, als der ehemalige Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp und der General Walther Lüttwitz mit einer Marinebrigade Berlin besetzten und sich selbst zur neuen Regierung erklärten.
Noch am selben Tag rief die SPD erfolgreich zum Generalstreik auf. Hier vor Ort, in Grünau, Köpenick, Friedrichshagen und Adlershof wurden Arbeiterformationen aufgestellt, die in Grünau und Bohnsdorf bei Villenbesitzern und Großbauern Waffen konfiszierten.
Für ganz Köpenick bildeten SPD, USPD und die neu gegründete KPD zusammen ein „Sozialistisches Verteidigungskomitee“ unter der Leitung von Alexander Furtran von der USPD.
Der Putsch endete wegen des Generalstreiks, dem sich ein großer Teil der staatlichen Verwaltung angeschlossen hatte, bereits nach fünf Tagen. Die Reichswehr, die dem Putsch neutral bis teilweise zustimmend gegenübergestanden hatte, verfolgte allerdings Arbeiter, die Widerstand geleistet hatten, und ließ am 21. März 5 Arbeiter, die Leiter des „Sozialistischen Verteidigungskomitee“ in der Bötzow-Brauerei in der Grünauer Straße standrechtlich erschießen. Auch an diesen Mord erinnert heute eine Stele vor dem S-Bahnhof Grünau.

Im Oktober 1920 trat das Groß-Berlin-Gesetz in Kraft, durch das auch Köpenick ein Teil Berlins wurde. Die SPD schuf in ihrer internen Organisation den neuen Bezirksverband Groß-Berlin, dem zu diesem Zeitpunkt 55870 Mitglieder angehörten. Köpenick wurde der 16. von 20 Berliner Kreisen und es wurden erstmals Abteilungen als die untersten Gliederungen der SPD geschaffen: Dem Kreis Köpenick gehörten die Abteilungen 108 bis 113 an, unser heutiges Abteilungsgebiet beherbergte die Abteilungen 108 (Köpenick), 110 (Grünau), 111 (Bohnsdorf) und 113 (Schmöckwitz). Hier lassen sich zum ersten Mal eigenständige Gliederungen für Bohnsdorf und Schmöckwitz nachweisen.
Bei den folgenden Landtagswahlen 1921 holten die SPD und die USPD zusammen hier vor Ort überall nahezu die absolute Mehrheit, in Bohnsdorf sogar mehr als zwei Drittel der Stimmen.
Diese spektakulären Wahlergebnisse blieben bei fast allen Wahlen in den 20ern bestehen, nach der Wiedervereinigung von SPD und USPD 1922 wurden sie sogar noch deutlicher.
Die Abteilungsleiter 1921 (zu dieser Zeit wurden Vorstände noch jährlich gewählt) waren für Köpenick Ferdinand Breitenbein, für Grünau Franz Klein (der über mehrere Jahre Abteilungsleiter blieb), für Bohnsdorf Ernst Miersch und für Schmöckwitz Adolf Meinicke.
Für 1925 stehen zum ersten Mal Mitgliederzahlen der Abteilungen zur Verfügung: Mitte des Jahres hatte die Köpenicker Abteilung 551 Mitglieder, die Grünauer 70, die Bohnsdorfer 184 und die Schmöckwitzer 12. Es sind hier allerdings selbst innerhalb einzelner Jahre sehr große Fluktuationen bei der Mitgliederentwicklung zu erkennen (Die Grünauer SPD schwankte im darauf folgenden Jahr beispielsweise zwischen 63 und 98 Mitgliedern, bei den anderen Gliederungen sind die Schwankungen ähnlich stark).
Im Jahr 1927 dann überschritt die Bohnsdorfer SPD zum ersten Mal die 200-Mitglieder-Marke, im dritten Quartal des Jahres brachte sie es sogar auf 240 Genossinnen und Genossen. (Grünau kam in diesem Jahr auf 99, Schmöckwitz 17).
Der Jahresbericht des Kreises Köpenick für das Jahr 1927 zeugt von großer Begeisterung in der Parteiarbeit vor Ort: Man hatte in diesem Jahr eine Bürgerschaftswahl mit 40,3% der Stimmen gewonnen, der gesamte Kreisverband hatte 200 Mitglieder mehr als am Ende des vorherigen Jahres (Ende 1926: 1338 Mitglieder, Ende 1927: 1519), man berichtete von einem „regen Agitationsleben im Kreis 16 – Köpenick“. Außerdem wurde damals noch jedes Jahr in Köpenick eine „rote Werbewoche“ veranstaltet, bei dieser hatte man in diesem Jahr ganze 87 Mitglieder gewinnen können. Außerdem leistete die SPD in Köpenick beeindruckende Wohlfahrtsarbeit (in 183 Fällen von Kinderbetreuung über Altenpflege bis hin zu Vormundschaften für Waisenkinder), was, da die bürgerlichen Parteien in der Reichsregierung die Renten und Sozialausgaben generell stark gekürzt hatten, auch nötig war.
Im darauf folgenden Jahr erwähnt der Jahresbericht „in ganz Köpenick einen Funktionärskörper von 170 Genossinnen und Genossen“.
Im Jahr 1929 hatte dann die Berliner SPD fast 70000 Mitglieder, die Köpenicker Abteilung bereits über 1100.
Am 27. März wurde die SPD mit ihrem Kanzler Hermann Müller aus der Reichsregierung gedrängt und es begann die Zeit der Präsidialkabinette. Man kann an diesem Punkt vom Ende der Demokratie in Deutschland sprechen.
Die folgenden, letzten drei Jahre des Weimarer Staates gaben allerdings durchaus Grund zur Hoffnung:
Am Ende des Jahres 1930 hatte die Köpenicker Abteilung bereits 1382 Mitglieder, in Grünau waren es 119, in Bohnsdorf 358 und in Schmöckwitz 17. Dieser Mitgliederanstieg wurde als ein Zeichen der Solidarität der Menschen sehen, die nicht tatenlos der langsamen Abschaffung der Demokratie zusehen wollten.
Zu dieser Zeit war der Leiter der Köpenicker Abteilung Erwin Mante, der Leiter der Grünauer Fritz Naujack, der Bohnsdorfer Karl Düring und der Leiter der Schmöckwitzer Abteilung Georg Müller aus Karolinenhof.
1931 brachte es die Berliner SPD bereits auf 79000 Mitglieder.
Seit zwei Jahren tobte bereits die Weltwirtschaftskrise, dazu heißt es im Berliner Jahresbericht von 1931, dass „die Not unserer Tage einzig und allein in der Krise des Kapitalismus ihre Ursachen hat“ und man sprach von den „Geburtswehen einer neuen ökonomischen Struktur der Welt“.
Aufgrund der ohnehin starken Krisenhaftigkeit des Kapitalismus nahm man an, dass diese neue, schlimmste Krise bis dahin das Ende des Kapitalismus eingeläutet hätte, da diese Interpretation sich auch direkt aus der marxschen Analyse ergibt.
Der Kapitalismus wird mit seinen eigenen Problemen nicht mehr fertig.“ In der SPD glaubte man somit, dass bald alles besser werden würde.
Im selben Jahresbericht steckte sich die Berliner SPD zwei große Ziele: Erstens, Adolf Hitler „von Geldsacks Gnaden“ zu bekämpfen, „so daß er Ende des Jahres seine politische Rolle in Deutschland ausgespielt hat.“ Zweitens, die 100000-Mitglieder-Marke zu erreichen.
Sieht man sich die Arbeit der SPD in Berlin und speziell Köpenick zu dieser Zeit an, so spielte die Sozialfürsorge für die Arbeiterschaft noch immer die herausragendste Rolle darin.
Ende 1931 erreichten die Köpenicker Mitgliedszahlen ein solches Hoch, dass die Abteilung in eine Abteilung 108 und 108a gespalten wurde, wobei 108 für die Köllnische Vorstadt, die Altstadt, den Kietz und das Wendenschloss zuständig war und zum Ende des Jahres 632 Mitglieder hatte. Die Abteilung Grünau hatte zum selben Zeitpunkt 148 Mitglieder, Bohnsdorf 455 und Schmöckwitz 21.
Vom 12. bis 16. April 1931 fanden internationale Frauenwerbewochen statt, der SPD-Kreisverband Köpenick gewann 75 neue Mitglieder und warb „für die sozialen und politischen Rechte der Arbeiterschaft, für die Gleichberechtigung der Frau im Staat und auf dem Arbeitsmarkt, gegen Lohnabbau und soziale Reaktion, gegen §218, gegen das Bürgerkriegstreiben der Kommunisten, gegen den Terror der Nationalsozialisten, für Sozialismus und Frieden“.
1932 ging die SPD zum ersten Mal nicht als stärkste Partei aus den Wahlen hervor, es herrschten bereits bürgerkriegsähnliche Zustände durch den Terror der Nazis und die Arbeiter organisierten sich in „roten Massenschutzbünden“ und eine Streikwelle durchzog Deutschland und auch Köpenick.
Von nun an vollzog sich die Machtübergabe an die Nationalsozialisten durch die Bürgerlichen recht schnell und am 24. März 1933 beschloss der Reichstag, mit der Zustimmung aller Parteien außer der SPD das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“, das als Ermächtigungsgesetz in die Geschichte einging. Vor dem Beschluss hielt Otto Wels seine bekannte Rede, in der er die Ablehnung dieses Gesetzes durch die SPD begründete. Dies war die letzte freie Rede, die im Reichstag gehalten wurde.
Nachdem am 2. Mai die Gewerkschaften verboten wurden und das Vermögen der SPD durch die Nazis beschlagnahmt wurde, beschloss die SPD am 17. Mai ihren Vorstand nach Prag zu verlegen.
Kurz darauf begann der staatlich subventionierte Terror der Nazis sich in seinem ganzen Schrecken zu entfalten: Am 21. Juni begann mit einer Aktion, die später als Köpenicker Blutwoche bekannt werden sollte, eine erste Verfolgungswelle gegen Sozialdemokraten und Kommunisten, die in Köpenick besonders schockierende Ausmaße annahm.
Hunderte wurden in Häuser der SA verschleppt und dort aufs Schlimmste misshandelt und gefoltert, viele starben später an den Folgen. Am Ende der Woche zählte man 500 Verhaftungen durch die SA (die eigentlich zu diesem Zeitpunkt nicht das Recht hatte, Verhaftungen vorzunehmen), 21 Tote und 11 Verstümmelte. 70 Menschen blieben verschollen.
Zuvor war am 22. Juni die SPD verboten wurden und die Nazis hatten mit der Errichtung ihrer Diktatur begonnen.
Die Arbeit der SPD in Deutschland verlegte sich auf den Widerstand, bekannt ist beispielsweise der „Deutschlandbericht“ der SoPaDe (Name des emigrierten SPD-Parteivorstandes), der regelmäßig aus dem Ausland nach Deutschland gebracht, von verbliebenen Funktionären unter Einsatz ihres Lebens verteilt wurde und der einen propagandafreien Bericht über die Verhältnisse in Deutschland enthielt.
Im Süden Köpenicks fand während der Olympischen Spiele eine bemerkenswerte Aktion statt, als den Programmheften der Regattatribünen in Grünau das antifaschistische Flugblatt „Hitlers Olympiade als Kulisse der Kriegsvorbereitungen“ heimlich beigelegt wurde.
Durch die anhaltende Verfolgung im Faschismus wurde ein koordiniertes Vorgehen der SPD bald fast unmöglich und im Kriegsverlauf lösten sich die Strukturen der Partei fast auf.


1945-1961 – Befreiung und erneutes Verbot
Am Morgen des 23. April 1945 marschierte die Rote Armee in Köpenick ein und traf dabei kaum auf Widerstand. Die verbliebenen SPD-Funktionäre fanden sich zeitnah zusammen und riefen die Bevölkerung auf, sich ruhig zu verhalten und während des Einmarsches ihre Wohnungen nicht zu verlassen.
Die regionalen Strukturen im Bezirk erstanden recht schnell wieder, durch die Arbeiternatur des Bezirkes gewannen aber nur SPD und KPD erwähnenswerte Größe.
Die KPD begann bald, ihre Bestrebungen zur Schaffung einer Einheitspartei zu verfolgen, was zwar aufgrund der Erfahrungen der Sozialdemokratie im Faschismus nicht konsequent abgelehnt wurde, aber der Vorschlag stieß auch nicht auf generelle Gegenliebe, gerade nachdem langsam klar wurde, dass die KPD genauso Moskau-hörig war wie vor dem Krieg.
Es ist ein Bericht eines Schmöckwitzer KPD-Funktionärs erhalten, der den Schmöckwitzer SPD-Vorsitzenden Alwin Brandes von der Vereinigung der Parteien zu überzeugen versuchte, dabei aber auf starke Ablehnung stieß und Brandes in seinem Bericht daher generell negativ darstellt.
Allerdings waren die KPD und die SPD sich im Bezirk nach einer „Nachtsitzung“ am 10. Juni 1945 einig, dass die Arbeiterparteien zwar zusammenarbeiten müssten, jedoch durch „getrenntes Marschieren“ gerade die SPD mehr Menschen an sich binden könnte. Man zitierte hier das Motto „getrennt marschieren, gemeinsam den Faschismus schlagen!“.
Generell war der Aufbau der sozialdemokratischen Organisation in Köpenick, der nach dem „alten Muster“ der SPD aus der Zeit vor 1933 erfolgte, sehr erfolgreich: Im Dezember 1945 hatte die SPD hier bereits 2437 Mitglieder, davon 125 in Grünau und 150 in Schmöckwitz.
1946 wurde die SPD dann in die KPD zwangseingegliedert, allerdings begann sehr schnell eine Verfolgung der ehemaligen SPD-Funktionäre, und während die Situation in der sowjetischen Besatzungszone einem Verbot der SPD gleichkam, konnte die Sowjetische Militäradministration in Berlin die SPD aufgrund des Vier-Mächte-Status der Stadt die SPD nicht komplett verbieten.
Hier muss angemerkt werden, dass andere Parteien – auch die CDU und die FDP unter dem Namen LDPD – auch später in der DDR zugelassen waren, wo sie als Blockparteien die SED unterstützten.
Trotz dessen hielt die Köpenicker KPD am 14.4.1946 einen Vereinigungsparteitag ab.
Da die West-SPD inzwischen ein Ostbüro im sowjetisch besetzten Teil Berlins geründet hatte, konnte sich die SPD in Köpenick diesem anschließen.
Diese Situation resultierte in einer Spaltung der Partei: Weit über 10000 Mitglieder in Ostberlin verließen die Partei, viele, um zur SED zu wechseln. Innerhalb der nächsten paar Monate gingen viele dieser Mitglieder zurück zur SPD, weshalb sich der Mitgliederstand in Ostberlin auf etwa 14000 Mitglieder stabilisierte (dies sind 60% des Mitgliederstandes in Ostberlin zum Beginn des Jahres 1946).
Am 20. Oktober 1946fanden noch verhältnismäßig freie Wahlen in ganz Berlin statt, bei denen die SED in Ostberlin zwar massive Unterstützung von der Sowjetischen Militäradministration erhielt, aber noch freie, gleiche und geheime Wahlen durchgeführt wurden.
Die Wahl wurde ein Triumph für die SPD: Sie erhielt in ganz Berlin 48,7 Prozent der Stimmen (die SED nur 19,8 und die CDU 22,2) und stellte in allen acht Ostbezirken den Bezirksbürgermeister. In Treptow war dies Erwin Bennewitz, in Köpenick Fritz Bessen. 1948 wurden beide durch SED-Funktionäre ersetzt.
In den folgenden Jahren nahm die Verfolgung durch die Kommunisten immer schlimmere Züge an, viele verloren ihren Arbeitsplatz, bei manchen Genossinnen und Genossen nagelte die FDJ Aufrufe gegen die sozialdemokratische Gesinnung der Bewohner des Hauses an die Tür.
Für viele stellten sich die Verhältnisse im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands als direkte Fortführung des Nazi-Terrors da - die SED sperrte tatsächlich sogar Menschen in die alten Konzentrations- und Arbeitslager der Nazis. Zu Recht bezeichnete Kurt Schumacher die Kommunisten nach dem Krieg als „rot lackierte Faschisten“.
Auch in Berlin wurden die Opfer des Faschismus nun zu Opfern der kommunistischen Diktatur.
In diesen Verhältnissen und durch die daraus resultierende Atmosphäre, verlor die SPD immer mehr Mitglieder: Hatte die SPD in ganz Köpenick 1948 noch 1505 Mitglieder, so waren es 1960 nur noch 639.
In dieser schwierigen Situation hielt die Köpenicker SPD die meisten ihrer Veranstaltungen im „Gastkreis“ Charlottenburg ab, wo die Ostberliner Polizei sie nicht verfolgen konnte.
Im Mai 1949 wurden neun Mitglieder der SPD-nahen Jugendorganisation Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken in Bohnsdorf verhaftet, weil sie die SPD-Zeitung „Telegraf“ verteilt hatten, die zwar in ganz Berlin zugelassen, aber in diesem Fall nur in einem handlichen Kleinformat verteilt worden war, weshalb die SED argumentierte, sie hätten eine nicht zugelassene Propaganda-Schrift verteilt. Sechs der Falken wurden freigesprochen, die anderen drei erhielten zwischen einem und zweieinhalb Jahre Gefängnis.
1961 wurde dann mit dem Mauerbau die Parteiarbeit in Ostberlin durch eine gesamt-Berliner SPD unmöglich und die SPD wurde östlich der Mauer aufgelöst.
Während die SED in den nächsten 28 Jahren sozialistisches Gedankengut aufs Schärfste verfolgte, gab es die SPD als rechtmäßige Trägerin dieses Gedankengutes bis 1989 im Osten der Stadt nicht mehr.


Seit 1989 – erneuter Aufbruch, Verantwortung für Treptow und Köpenick
1989 bröckelte der „real existierende Sozialismus“ die Rufe nach Reform und Öffnung wurden lauter: in der DDR begann die friedliche Revolution. Während die SED-Führung noch das vierzigjährige Bestehen ihres Staates feierte, organisierten sich im Schutz der Kirchen frei denkende Menschen im neuen Forum und anderen Initiativen.
Am 12. September diesen Jahres erfolgte dann der Aufruf „Sozialdemokratische Partei in der DDR“ mit dem die SDP gegründet wurde, heute meist als „Ost-SPD“ bezeichnet.
Indirekt beginnt hier die jüngere Geschichte der SPD im Süden Treptow-Köpenicks bereits im 4. November 1989: Der spätere Vorsitzende Jürgen Barsch kam auf einer Demonstration mit der SDP in Kontakt, der er noch in diesem Jahr beitrat. Einen Monat später, am 4. Dezember, besuchte Klaus Ulbricht, späterer Bezirksbürgermeister, eine Veranstaltung der SDP, der er ebenfalls beitrat.
Jürgen Barsch wurde der Kontakt zu Klaus Ulbricht vermittelt, da die beiden Mitglieder im Süden des Bezirks waren. Zusammen machten sich beide daran, eine sozialdemokratische Ortsstruktur in Grünau und Schmöckwitz aufzubauen.
Die Neu-Gründung der SPD hier vor Ort, als SPD Köpenick Süd, erfolgte auf der konstituierenden Sitzung am 10. Januar 1990, die von gut 20 Genossinnen und Genossen und Interessierten besucht wurde. Hier wurde Jürgen Barsch zum ersten Vorsitzenden gewählt, ein Amt, das er bis Februar 2012 beibehielt, Klaus Ulbricht wurde zum ersten Kassierer der Abteilung.
Ähnlich verhielt es sich in Bohnsdorf, wo am 24. Januar die SPD ihre Gründungsversammlung abhielt.
Die jungen Gliederungen mussten direkt in einen Wahlkampf ziehen, der in Köpenick mit 39,8 Prozent der Stimmen gewonnen wurde.
Generell entfaltete sich schnell ein reges Parteileben, die SPD veranstaltete Wanderungen, Zusammenkünfte und andere Aktionen.
Nach der Wahl 1992, die von der SPD mit 38 Prozent der Stimmen gewonnen wurde (in Grünau waren es sogar 40%) wurde dann unser Abteilungsmitglied Klaus Ulbricht Bezirksbürgermeister von Köpenick, nach der Bezirksreform 2001 dann vom neuen Bezirk Treptow-Köpenick.
Ebenfalls 2001 wurden dann die Abteilungen Köpenick Süd und Bohnsdorf zur heutigen Abteilung Treptow-Köpenick Süd zusammengelegt.
2012 wählten wir mit Robert Schaddach, der Grünau, Schmöckwitz, Bohnsdorf und Teile Köpenicks seit 2006 im Abgeordnetenhaus vertritt, einen neuen Vorsitzenden, mit dem wir unsere Arbeit für die Bewohner unserer Ortsteile mit vollem Enthusiasmus fortsetzen.

14.03.2012

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